SOLISCHLAFEN IM MIRABELLPARK

In den letzten Wochen haben Menschenrechtsaktivist*innen in Salzburg gemeinsam mit dem Verein Phurdo die Initiative SOLISCHLAFEN IM MIRABELLPARK organisiert.

Der Anlass: Mitte April schlossen in Salzburg die Winternotschlafstellen und die ohnehin zu wenigen Schlafplätze für Menschen in extremer Not und Armut gingen verloren. Viele Betroffene müssen die Nächte somit im Freien verbringen, wo sie aber Wind, Wetter und Passant*innen ausgeliefert sind. Es gab bereits mehrere gewalttätige Übergriffe. Zudem werden sie von der Gemeinde immer wieder unter Brücken, aus Abbruchhäusern und anderen geschützten Stellen vertrieben, obwohl die Salzburger Kampierverordnung nur ein Nächtigen in Zelten, Wohnmobilen und Wohnwägen verbietet. Ein Zuwiderhandeln gegen die Kampierverordnung wird mit einer Geldstrafe bis zu 10.000€ bestraft, was in keinem Verhältnis zu den finanziellen Möglichkeiten der Betroffenen steht. Bei Uneinbringlichkeit kann eine Ersatzfreiheitsstrafe angeordnet werden.

Oft haben diese Menschen keine Alternative zum Überlebenskampf in Salzburg. In den Siedlungen, aus denen die Not-Reisenden kommen, herrscht eine bis zu hundertprozentige Arbeitslosigkeit. Auch im reichen Salzburg steigt die Armut. Auch für verarmte Salzburger*innen stehen viel zu wenig Notschlafstellen und leistbare Wohnungen zur Verfügung.

Aus diesem Grund ruft SOLISCHLAFEN IM MIRABELLPARK alle Menschen, die einen Gerechtigkeitssinn bewahrt haben, dazu auf, die Nacht von 30. April auf 1. Mai gemeinsam mit Betroffenen im Mirabellpark zu verbringen und damit nicht nur ihre Solidarität zu bekunden, sondern auch folgende Forderungen zu stellen:

  • Armut bekämpfen statt Arme vertreiben.

  • Mehr Notquartiere und diese auch im Sommer öffnen!

  • Leistbare Wohnungen für alle!

  • Öffentliche Finanzierung von Übergangswohnen und

  • Abschaffung der Kampierverordnung

  • Nicht-Einführung des sektorale Bettelverbotes

Die Aktion startet am Donnerstag, 30. April um 17 Uhr im Mirabellgarten zwischen Rosenhügel und Schwarzstraße. Die Teilnehmenden sind gebeten, Schlafsäcke, Isomatten, Taschenlampen, warme Getränke und warme Kleidung mitzunehmen.

ERSATZTERMIN bei Regen 30.05.2015 (selber Ort, selbe Zeit)

Weitere Auskünfte: alina.kugler@phurdo.org

Telefon: 0676 9126679

Nachricht aus Rumänien – 3

Die fünfköpfige Roma-Familie, die Raim nach Rumänien zurückgebracht hat, bekommt monatlich 30,- € Sozialhilfe und kein Kindergeld, weil nur Berufstätigen Kindergeld zusteht. Aber beide Elternteile bekommen keine Arbeit. In ihrer Siedlung leben 7-8 Familien. Alle sind miteinander verwandt.
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Der zuständige Bürgermeister ließ Raim 3 Tage warten. Ein Gespräch gab es letzten Endes nur, weil Raim ihn zu Hause aufsuchte und ihn bestürmte. Der versprochene Termin am nächsten Morgen wäre wieder nicht zustande gekommen, wenn Raim nicht im wahrsten Sinne des Wortes Radau gemacht hätte. Der Bürgermeister hörte sich also an, was die Familie zum Leben brauchen würde, delegierte einiges an beisitzende Beamte und fragte zum Schluss: „Und wer wird das bezahlen?“ Raims Antwort, er erwarte natürlich, dass die Gemeinde dafür aufkomme, wurde mit den Worten abgeschmettert: „Dafür hat die Gemeinde kein Geld.“ – Das muss man gehört haben, sonst glaubt man es nicht. Dies ist auch kein Einzelfall. – Wir werden in Salzburg für Patenschaften werben müssen.
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Es macht zornig und traurig zugleich, dass das Überleben der Roma zum allergrößten Teil auf Barmherzigkeit angewiesen ist. Eine Verpflichtung der Politik zur Daseinsfürsorge hört bei Roma-Familien auf – im 21. Jahrhundert – in einem EU-Land.
Info: Wir erwarten noch einige versprochene Spenden für die Familie. Mitte nächster Woche geben wir das Ergebnis bekannt.

Nachricht aus Rumänien – 2

Anruf von Raim: die Roma-Familie mit den zwei Kleinkindern, die er letzten Sonntag zurück nach Rumänien gebracht hat, ist völlig verarmt und marginalisiert. Ihre Unterkunft in Braschow ist nicht viel komfortabler als ihre Unterkunft unter der Brücke in Salzburg. Raim hatte heute Früh einen Termin mit dem Bürgermeister von Braschow – Ergebnis erfahren wir nach seiner Rückkehr und macht sich nach dem Gespräch auf den Heimweg. Das in den Salzburger Medien ab Ende April geplante sektorale Bettelverbot stellt eine neue prekäre Situation für die Notreisenden dar. Wir werden auf die Politiker*innen Druck ausüben müssen. Damit sie sich endlich mit ihren Kollegen*innen aus Rumänien in Verbindung setzen. Damit der skandalösen Armut insbesondere der Roma, die bei uns zum Betteln gezwungen sind abgeholfen wird. Und damit Phurdo Salzburg und die Unterstützergruppe nicht alleine dastehen.

Nachricht aus Rumänien

Heute war Raim am Telefon: „Sind bei Brashow gut angekommen. Habe die Familie zu ihrer Siedlung gebracht. Ich habe so viel Elend und Dreck noch nirgends gesehen, – und ich kenne wirklich viele Roma-Siedlungen in Osteuropa. Wegen der rumänisch-orthodoxen Osterfeiertage, die bis Mittwoch dauern, konnte ich noch nicht mit dem Gemeindeamt von Brashow in Kontakt kommen. Ich melde mich wieder.“

Auf dem Heimweg – Fortsetzung

Eine Roma-Familie mit zwei Kleinkindern ist seit gestern nach Hause unterwegs. Sie wurde von der Salzburger Polizei bedrängt: die beiden 2- und 3-jährigen Kinder sollten der Familie weggenommen werden, weil sie die Nächte unter einer Brücke verbrachten und die Mutter mit dem 3-jährigen Mädchen bettelnd unterwegs war. Raim Schobesberger, selbst Rom, ist es gelungen, die Familie bis Sonntag privat unterzubringen. Seit gestern ist er mit ihr per Phurdo-Vereinsauto auf dem Weg nach Hause, nämlich nach Rumänien. Was „nach Hause“ heißt, und ob der Familie dort geholfen werden kann, will Raim Schobesberger an Ort und Stelle erkunden und ca. eine Woche bleiben. Fotos und Recherchen bei Behörden sollen ein informatives Bild ergeben. Bitte spendet einen Beitrag für die Fahrtkosten. Es sollten 500,- bis 600,- € zusammenkommen. Ein herzliches Danke im Voraus! Ihr werdet laufend über die Ereignisse und den Kontostand informiert. – Verein Phurdo, IBAN: AT 8420 404 000 411 77 858.

Die Familie in einer von Phurdo organisierten Unterkunft in Salzburg

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Akut-Hilfe für Roma-Familie gesucht!

Dringend Spenden benötigt für die Rückfahrt von Salzburg nach Rumänien und teilweisen Lebensunterhalt. Fahrt 500-600 € und Lebensunterhalt kurzzeitig 500 €, bis Patenschaften gefunden werden können. Der Kontostand wird auf Facebook täglich aktualisiert. Patenschaften würden der Familie eine Mindestexistenz sichern. Dazu Auskunft s.u.

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Die Familie in einer von Phurdo organisierten Unterkunft in Salzburg

Hintergrund: der fünfköpfige Familie, die bis vor wenigen Tagen unter einer Brücke hauste, wurde von Polizei und Jugendamt die Wegnahme der beiden Kleinkinder angedroht, begründet mit herrschender Kälte und körperlicher Gefahr für die Kinder. Raim Schobesberger, der Vorsitzende des Roma-Vereins Phurdo, konnte für diese Familie bis Freitag eine Unterkunft organisieren. Nun wird für Freitag/Samstag und Samstag/Sonntag dringend eine Übernachtungsmöglichkeit gesucht, denn am Sonntag will Raim Schobesberger die Familie persönlich mit dem Phurdo-Bus nach Rumänien bringen. Dadurch wird einerseits verhindert, dass der Fahrpreis in unredliche Hände gelangt, andererseits kann Raim sich vor Ort ein Bild machen und die tatsächliche Situation der Familie recherchieren und in sie in Salzburg präsentieren, – mit dem Ziel, mit der Plattform Menschenrechte und der Kinderanwaltschaft Salzburg eine menschenwürdige Lösung zu finden. DANKE!!

Raim Schobesberger Tel.: +436507903391
IBAN:AT842040400041177858
BIC:SBGSAT2SXXX
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