Nachricht aus Rumänien – 3

Die fünfköpfige Roma-Familie, die Raim nach Rumänien zurückgebracht hat, bekommt monatlich 30,- € Sozialhilfe und kein Kindergeld, weil nur Berufstätigen Kindergeld zusteht. Aber beide Elternteile bekommen keine Arbeit. In ihrer Siedlung leben 7-8 Familien. Alle sind miteinander verwandt.
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Der zuständige Bürgermeister ließ Raim 3 Tage warten. Ein Gespräch gab es letzten Endes nur, weil Raim ihn zu Hause aufsuchte und ihn bestürmte. Der versprochene Termin am nächsten Morgen wäre wieder nicht zustande gekommen, wenn Raim nicht im wahrsten Sinne des Wortes Radau gemacht hätte. Der Bürgermeister hörte sich also an, was die Familie zum Leben brauchen würde, delegierte einiges an beisitzende Beamte und fragte zum Schluss: „Und wer wird das bezahlen?“ Raims Antwort, er erwarte natürlich, dass die Gemeinde dafür aufkomme, wurde mit den Worten abgeschmettert: „Dafür hat die Gemeinde kein Geld.“ – Das muss man gehört haben, sonst glaubt man es nicht. Dies ist auch kein Einzelfall. – Wir werden in Salzburg für Patenschaften werben müssen.
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Es macht zornig und traurig zugleich, dass das Überleben der Roma zum allergrößten Teil auf Barmherzigkeit angewiesen ist. Eine Verpflichtung der Politik zur Daseinsfürsorge hört bei Roma-Familien auf – im 21. Jahrhundert – in einem EU-Land.
Info: Wir erwarten noch einige versprochene Spenden für die Familie. Mitte nächster Woche geben wir das Ergebnis bekannt.

Nachricht aus Rumänien – 2

Anruf von Raim: die Roma-Familie mit den zwei Kleinkindern, die er letzten Sonntag zurück nach Rumänien gebracht hat, ist völlig verarmt und marginalisiert. Ihre Unterkunft in Braschow ist nicht viel komfortabler als ihre Unterkunft unter der Brücke in Salzburg. Raim hatte heute Früh einen Termin mit dem Bürgermeister von Braschow – Ergebnis erfahren wir nach seiner Rückkehr und macht sich nach dem Gespräch auf den Heimweg. Das in den Salzburger Medien ab Ende April geplante sektorale Bettelverbot stellt eine neue prekäre Situation für die Notreisenden dar. Wir werden auf die Politiker*innen Druck ausüben müssen. Damit sie sich endlich mit ihren Kollegen*innen aus Rumänien in Verbindung setzen. Damit der skandalösen Armut insbesondere der Roma, die bei uns zum Betteln gezwungen sind abgeholfen wird. Und damit Phurdo Salzburg und die Unterstützergruppe nicht alleine dastehen.

Nachricht aus Rumänien

Heute war Raim am Telefon: „Sind bei Brashow gut angekommen. Habe die Familie zu ihrer Siedlung gebracht. Ich habe so viel Elend und Dreck noch nirgends gesehen, – und ich kenne wirklich viele Roma-Siedlungen in Osteuropa. Wegen der rumänisch-orthodoxen Osterfeiertage, die bis Mittwoch dauern, konnte ich noch nicht mit dem Gemeindeamt von Brashow in Kontakt kommen. Ich melde mich wieder.“

Auf dem Heimweg – Fortsetzung

Eine Roma-Familie mit zwei Kleinkindern ist seit gestern nach Hause unterwegs. Sie wurde von der Salzburger Polizei bedrängt: die beiden 2- und 3-jährigen Kinder sollten der Familie weggenommen werden, weil sie die Nächte unter einer Brücke verbrachten und die Mutter mit dem 3-jährigen Mädchen bettelnd unterwegs war. Raim Schobesberger, selbst Rom, ist es gelungen, die Familie bis Sonntag privat unterzubringen. Seit gestern ist er mit ihr per Phurdo-Vereinsauto auf dem Weg nach Hause, nämlich nach Rumänien. Was „nach Hause“ heißt, und ob der Familie dort geholfen werden kann, will Raim Schobesberger an Ort und Stelle erkunden und ca. eine Woche bleiben. Fotos und Recherchen bei Behörden sollen ein informatives Bild ergeben. Bitte spendet einen Beitrag für die Fahrtkosten. Es sollten 500,- bis 600,- € zusammenkommen. Ein herzliches Danke im Voraus! Ihr werdet laufend über die Ereignisse und den Kontostand informiert. – Verein Phurdo, IBAN: AT 8420 404 000 411 77 858.

Die Familie in einer von Phurdo organisierten Unterkunft in Salzburg

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Akut-Hilfe für Roma-Familie gesucht!

Dringend Spenden benötigt für die Rückfahrt von Salzburg nach Rumänien und teilweisen Lebensunterhalt. Fahrt 500-600 € und Lebensunterhalt kurzzeitig 500 €, bis Patenschaften gefunden werden können. Der Kontostand wird auf Facebook täglich aktualisiert. Patenschaften würden der Familie eine Mindestexistenz sichern. Dazu Auskunft s.u.

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Die Familie in einer von Phurdo organisierten Unterkunft in Salzburg

Hintergrund: der fünfköpfige Familie, die bis vor wenigen Tagen unter einer Brücke hauste, wurde von Polizei und Jugendamt die Wegnahme der beiden Kleinkinder angedroht, begründet mit herrschender Kälte und körperlicher Gefahr für die Kinder. Raim Schobesberger, der Vorsitzende des Roma-Vereins Phurdo, konnte für diese Familie bis Freitag eine Unterkunft organisieren. Nun wird für Freitag/Samstag und Samstag/Sonntag dringend eine Übernachtungsmöglichkeit gesucht, denn am Sonntag will Raim Schobesberger die Familie persönlich mit dem Phurdo-Bus nach Rumänien bringen. Dadurch wird einerseits verhindert, dass der Fahrpreis in unredliche Hände gelangt, andererseits kann Raim sich vor Ort ein Bild machen und die tatsächliche Situation der Familie recherchieren und in sie in Salzburg präsentieren, – mit dem Ziel, mit der Plattform Menschenrechte und der Kinderanwaltschaft Salzburg eine menschenwürdige Lösung zu finden. DANKE!!

Raim Schobesberger Tel.: +436507903391
IBAN:AT842040400041177858
BIC:SBGSAT2SXXX
Salzburger Sparkasse Bank AG

Campus Phurdo – Roma helfen Roma in Pauleasca

Wir vom Verein Phurdo betreut seit Jahren bettelnde Romnija und Roma aus Rumänien in Salzburg. Im Jahr 2014 bildete sich ein Schwerpunkt der Betreuung bei den von der Stadt Salzburg zur Verfügung gestellten Containern in Salzburg Süd (Park & Ride). Ein Großteil (ca. 95 %) der bettelnden Roma kommen aus Pauleasca/Pitesti in Nordrumänien.
Nach der Räumung der Container durch die Stadt Salzburg im November 2014 standen viele der dort untergebrachten und versorgten Roma auf der Straße. Ihr Vorhaben, bis über die Weihnachtstage in Salzburg zu bleiben und Geld zu verdienen, wurde durch die einsetzende Winterkälte verunmöglicht . Mit Unterstützung durch Salzburger BürgerInnen haben wir ihre Heimreise per Bus nach Pauleasca organisiert und sind mitgefahren, um die Siedlung und die schwierigen Lebensbedingungen der BettlerInnen vor Ort kennen zu lernen. An der Grenze, wo die Heimfahrenden ihre Einnahmen in rumänische Leu wechselten, konnten wir sehen, wie wenig die Märchen von den „Traumgewinnen“ der organisierten BettlerInnen zutreffend sind: unterm Strich blieben den BettlerInnen zwischen 12 und 30 Euro.

Pauleasca – die Situation vor Ort  

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In dem Tal mit dem Namen Pauleasca liegen mehrere kleine Dörfer mit einigen tausend BewohnerInnen, die zu unterschiedlichen politischen Gemeinden gehören. Der Fluss, der durch dieses Tal fließt ist Lebensader und Gefahr zugleich. Einerseits ist das Flussbett der einzige Zugang zu den Dörfern, die „Straße“ auf der sich das Leben abspielt, andererseits sind die eng gebauten Häuschen bei starken Regenfälle durch Überschwemmungen und Erdrutsche stark gefährdet. Die Lebensbedingungen lassen einen daran zweifeln, dass man sich in Europa befindet: kein fließendes Wasser und Abwasser, kein Stromanschluss, kein einziger Meter asphaltierte Straße,, kein Telefonanschluss. Die selbst gemauerten Kochstellen sind zugleich die einzige zur Verfügung stehende Heizquelle in den Häusern ohne richtiges WC oder Bad. Es git keine Gesundheitsversorgung in der Nähe und keine Postzustellung. Die Menschen – Erwachsene und viele Kinder – sind mangelhaft ernährt und haben keine warme Kleidung für die rauen Winter, insbesondere keine Schuhe . Als Folge können viele Kinder den ca. 8 Kilometer langen Weg zur nächsten Schule im Winter nicht zurücklegen und bleiben daheim.Bild8

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Doch wie kam es dazu, dass diese Menschen sich in diesem „Niemandsland“ angesiedelt haben? Unter dem kommunistischen Regime wurde den heutigen EinwohnerInnen von Pauleasca dieses Land zugeteilt – weit weg von den urbanen Zentren, in denen man keine Roma haben wollte. Doch die Anbindung an die öffentliche Infrastruktur blieb aus. Die Arbeitslosigkeit liegt bei über 80 %, die Lebenserwartung um 15 Jahre kürzer als im rumänischen Durchschnitt.

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Bei unserem ersten Besuch suchten wir Gespräche und Kontakte mit den BewohnerInnen und auch den Behörden vor Ort. Durch „Mitleben“ und viele persönliche Begegnungen versuchten wir, erste Ideen für konkrete, nachhaltige Hilfe zur Besserung der Lage und zur Linderung der allergrößten Not und Armut zu entwickeln. Die unmittelbare Reaktion war das Versprechen, einen Hilfstransport aus Salzburg mit dringend benötigten Gütern zu organisieren. Seither fahren Phurdo-Mitglieder regelmäßig nach Pauleasca und arbeiten an ersten Schritten für das Projekt „Roma helfen Roma“.

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Projekt: Campus Phurdo – „Roma helfen Roma“P1000886

Nach einer Befragung und Gesprächen mit den BewohnerInnen darüber, was am Notwendigsten ist, zeigten sich schnell erste Ansatzpunkte zur Verbesserung der Lebenssituation. Dazu gehören zuallererst eine grundlegende medizinische Versorgung (eventuell eine Ordination), die Einrichtung eines Kindergartens/Tagesstätte, zur Verpflegung (warmes Essen) und sozialpädagogischen Betreuung von Kindern im Vorschulalter sowie eventuell Nachmittagsbetreuung für Schulkinder (auch unter Einbeziehung der Eltern). Ein weiterer Punkt wäre ein Beschäftigungsprojekt für Menschen vor Ort. Hier bietet es sich an, die BewohnerInnen ohne Arbeit bei der Instandsetzung mehrerer Gebäude, die in kommunistischer Zeit als Waisenhaus genutzt wurden und nun zu einem Gemeindezentrum werden könnten, einzubinden.Bild7

Die Gebäude und das Grundstück in unmittelbarer Nähe der Siedlungen konnte Phurdo in gutem Einvernehmen mit den Behörden vom rumänischen Staat auf fünf Jahre mieten. Im zentralen Gebäude soll zunächst ein Lagerraum für Material und Werkzeug entstehen sowie ein Versammlungsraum, damit die Menschen vor Ort in diesem Rahmen regelmäßig ihre Vorstellungen und Bedürfnisse artikulieren und an dem Projekt mitwirken können. Neben der Kindertagesstätte und der Beschäftigung bei der Renovierung soll außerdem über die landwirtschaftliche Nutzung des vorhandenen Bodens zur Selbstversorgung weitere Beschäftigung und Hilfe erreicht werden. Viele weitere Schritte können nach dem erfolgreichem Start gesetzt werden, wie die Wiederbelebung von Kulturtechniken und Fertigkeiten, wie z. B. das Korbflechten. Manche Produkte könnten  die Herstellung von Produkten, die in Salzburg vermarktet werden könnten …

Phurdo bietet die Möglichkeit der Unterstützung dieses Projekts durch PATENSCHAFTEN. Mit einer Patenschaft bieten Sie dem Projekt eine regelmäßige finanzielle Unterstützung. Dafür werden Sie über die Wirkung Ihrer Unterstützung informiert, können die Entwicklung mitverfolgen bis hin zu Möglichkeiten, Pauleasca zu besuchen!

„Denn: wir sind alle Roma*!“

* Roma bedeutet „Mensch“

Kontakt & weitere Infos:
Raim Schobesberger
Billrothstraße 20, 5020 Salzburg
0043/6507903391
office@phurdo.org

IBAN:AT842040400041177858
BIC:SBGSAT2SXXX
Salzburger Sparkasse Bank AG

Pauleasca – zu Besuch in der Heimat der Salzburger Bettler*innen

Vortrag & Diskussion:
Eine große Gruppe Notreisender, die im Sommer 2014 in Salzburg war, kommt aus der Siedlung Pauleasca in Rumänien. Phurdo-Obmann Raim Schobesberger, der in den letzten Monaten mehrmals in der Roma-Siedlung zu Besuch war, berichtet an diesem Info-Abend von seinen Erfahrungen vor Ort und von Möglichkeiten der Solidarität mit den Menschen dort.

Themen des Vortrags:
1. Ausgangspunkte (Betreuung Notreisender in Salzburg durch Phurdo)
2. Die Situation der Menschen vor Ort in Pauleasca (Besuch – Fotos)
3. das Projekt „Roma helfen Roma“ (Kindertageszentrum, Beschäftigung durch Renovierung) als Brücke zwischen Pauleasca und Salzburg mit dem Angebot, mitzutragen durch eine Art Patenschaft

Anschließend laden wir zu einem kleinen Buffet.

Sa, 21.03.2016, 18:00 Uhr
Malteser Hospitaldienst Salzburg
Imbergstraße 31A, 5020 Salzburg

Eintritt frei!

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